„Angstzustände und Tunnelblick“ – so betitelt die Journalistin Lea Thies ihren 3-tägigen Selbstversuch mit dem ADHS Medikament Ritalin. Trotz möglicher Nebenwirkungen erhoffen sich Konsumenten von leistungssteigernden Medikamenten positive Effekte wie: Steigerung von Konzentration, Wachheit und Aufmerksamkeit. Unter Medizinern sind positive wie negative Effekte von Hinrdoping stark umstritten. In unserem zweiten Hangout wurde über mögliche gesundheitliche Folgen von Hirndoping diskutiert.


Knapp 12 % der Erwerbstätigen sowie 5 % der Studierenden haben laut des DAK Gesundheitreports 2015 schon ein oder mehrmals Hirndoping betrieben. Die medizinische Diskussion über die Risiken und Nebenwirkungen von Hirndoping wird unter Ärzten und Experten durchaus kontrovers geführt. Kritiker gehen davon aus, dass die Einnahme von leistungssteigernden Mitteln mit erheblichem Suchtpotenzial und Langzeitschäden verbunden ist. Weniger kritische Mediziner attestieren den Substanzen geringe bis keine Nebenwirkungen und sehen sogar für bestimmte Berufsgruppen Vorteile in der Einnahme.

Insgesamt fehlt es derzeit noch an empirischen Studien mit gesicherten Ergebnissen hinsichtlich der Wirkung und Risiken leistungsstärkender Mittel. In unserem zweiten Videochat via Google Hangout am 09.09. konnten wir uns dem aktuellen Stand der streitbaren medizinischen Forschung annähern. In dem 45-minütigen Gespräch ging es unter anderem um folgende Fragen: Was passiert im Körper von gesunden Menschen bei der Einnahme leistungssteigernder Medikamente? Wie hoch ist das Abhängigkeitsrisiko und welche Langzeitschäden ergeben sich für die physische und psychische Gesundheit der Konsumenten? Außerdem: welche Folgen ergeben aus Sicht der Mediziner für das Gesundheitswesen? Diese und weitere Fragen diskutierte unser Moderator Frank Ulmer mit folgenden Gästen:

  • Prof. Dr. Ortwin Renn: u.a. Sozialwissenschaftler und Risikosoziologe an der Universität Stuttgart
  • Lea Thies: Redakteurin für „Journal und Kultur“ bei der Augsburger Allgemeinen
  • Dr. Bernward Siegmund: Chefarzt der Abteilung Psychiatrie und Psychotherapie an der LWL Klinik Lengerich
  • Karsten Strauß: Arzt und Sozialpädagoge, Suchttherapeut und Mitbegründer von „Strauß und Partner- Institut für Suchtmedizin“

Habt Ihr Fragen zum Thema oder möchtet Ihr Euch bei den kommenden Hangouts einbringen? Meldet Euch bei uns unter redaktion@politik-digital.de oder stellt Eure Fragen über die Kommentare oder direkt auf supermenschen.info.

Hier  geht es zum ersten Videochat zum Thema „Hirndoping – Chemische Nachhilfe für das Gehirn“ 

 

Auszüge aus de Gespräch:

Verbreitung der Einnahme von leistungssteigernden Mitteln

Dr. Bernward Siegmund (3:15): „Es gibt natürlich unglaublich viele Stoffe, die der Mensch seit jeher eingesetzt hat um die eigene Leistung zu steigern. Bei Hirndoping geht es aber um rezeptpflichtige Medikamente, die man in vier Gruppen einteilen kann“

Dr. Bernward Siegmund (33:00): „Es gab auch durchaus andere Substanzen in der Vergangenheit … (33:50) Aber auch heute gängige und bekannte Mittel (CocaCola). Diese Dinge sind fest drin in der Gesellschaft.“

Karsten Strauß (29:00): „Ich halte das Problem (Doping)-Konsum in der Gesellschaft für nicht so gravierend, da viele es eigentlich nur einmal ausprobieren. Ob aus Neugierde oder einem anderen Grund ist dabei egal. … Wenn länger konsumiert wird dann steigen die Betroffenen meistens auf Alkohol oder Amphetamine etc. um.“

Dr. Bernward Siegmund (38:30): „Ich verstehe nicht so genau wie die 53,8 % Nutzung (lt.) Studie entstehen können, wenn diese Medikamente (lt. Studie zur Leistungssteigerung) eigentlich von einem Arzt verschrieben wurden. Da muss es doch eine Art Indikation gegeben haben.“

Karsten Strauß (39:30):„Das sind Menschen, die ihren Arzt überzeugt haben / sich „geeinigt haben“ das Medikament zu bekommen“

Zur Wirkung

Lea Thies (13:20 über ihren Selbstversuch mit Ritalin): „Die Wirkung war so eine Mischung. Ich hab mich wie auf Watte gefühlt und sehr fokussiert – das Gegenteil von Multitasking. Ich konnte mich sehr gut konzentrieren. Ich hatte auch keinen Appetit.“
(15:01) „Krasser waren die Wirkungen dann als ich es abgesetzt habe. Da kam dann der Blues….“

Dr. Bernward Siegmund (15:19): „Das Ritalin wirkt sich auf das Glücksempfinden aus und das Absetzen hat teilweise starke Auswirkungen bis hin zu psychischen Erkrankungen.“

Karsten Strauß (24:34): „Mir ist selbst ein Fall bekannt, wo jemand in jungen Jahren Ritalin genommen hat und aufgrund eines banalen Ereignisses dann einen Herzstillstand erlitt“

Gründe für die Einnahme

Karsten Strauß (27:20): „Es geht eigentlich gar nicht um Leistungssteigerung sondern eher um Leistungsverfälschung.“

Dr. Bernward Siegmund (16:20): „Das Medikament (Ritalin) fällt einem ja nicht so einfach in den Mund. Jeder hat einen Grund es zu nehmen und das ist entscheidend. Das allein würde ich erst einmal nicht bewerten.“

Dr. Bernward Siegmund (06:10): „Ich möchte dafür werben, dass sich Menschen, die solche Medikamente einsetzen für die Leistungssteigerung, Ärzten öffnen und ihre Probleme schildern.“

Wie weit wollen und dürfen wir gehen, um uns zu optimieren?

Lea Thies (18:57): „Ich fand es schon ziemlich gruselig gefühlt was das Medikament mit mir und meinen Körper macht. Ich würde es auf keinen Fall nochmal nehmen“

Lea Thies (21:00): „ Ich finde es hoch problematisch Kindern solche Medikamente zu verabreichen mit der Erwartung, dass das Kind danach lieber oder gehorsamer ist.“

 

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