Es ist verlockend – eine kleine Pille zum Frühstück und schon können wir uns den Tag über besser konzentrieren, unser Gedächtnis lässt uns weniger vergessen und wir besitzen eine größere Redegewandtheit. Immer mehr gesunde Menschen konsumieren Medikamente, die ursprünglich für Krankheitsbilder wie Depressionen, Demenz oder Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) entwickelt wurden, um ihre kognitiven und emotionalen Fähigkeiten zu verbessern. In unserem ersten Videochat via Google Hangout haben Experten und Betroffenen in das Thema Hirndoping eingeführt.


In dem 45-minütigen Gespräch vom 24.06. wurden grundlegende Fragen besproche wie: Was ist Hirndoping? Wie verbreitet ist die Einnahme von leistungssteigernden Mitteln, wie wirken sie und warum nehmen gesunde Menschen überhaupt Medikamente um „besser“ zu sein? Neben einem Blick auf die individuelle Betroffenheit: Motive, Suchtpotential und mögliche gesundheitliche Schäden, ging es dabei auch um die Folgen der Einnahme leistungssteigernder Mittel für unsere Gesellschaft. Werden durch Hirndoping nur natürliche Unterschiede in Talent und Leistungsfähigkeit ausgeglichen oder entsteht ein soziales Ungleichgewicht? Kann Doping in der Gesellschaft toleriert werden, während es im Sport verboten ist? Wie weit wollen und dürfen wir gehen, um uns zu optimieren?

Diese und weitere Fragen diskutierte unser Moderator Frank Ulmer mit folgenden Gästen:

  • Prof. Dr. Ortwin Renn: u.a. Sozialwissenschaftler und Risikosoziologe an der Universität Stuttgart
  • Jörg Marschall: Projektleiter Arbeitswelt & Demografie beim IGES. Mitverfasser des DAK Gesundheitsreports 2015 mit Schwerpunkt „Doping am Arbeitsplatz“
  • René Neumann: Student der Politikwissenschaft an der TU Chemnitz und Praktikant bei politik-digital.de
  • Sonja Krause: Assistenzärztin am Universitätsklinikum Freiburg

 

Auszüge aus dem Gespräch:

Wie verbreitet ist die Einnahme von leistungssteigernden Mitteln, wie wirken sie und warum nehmen gesunde Menschen überhaupt Medikamente um „besser“ zu sein?

René Neumann (2:55): Die Bereitschaft in vielen Geisteswissenschaften ist eher gering, da das Curriculum nicht so stark auf Leistung aus ist wie in anderen Fachbereichen.

Jörg Marschall (5:00): Aus der Forschung ist bekannt, dass der Druck am Arbeitsplatz steigt und somit auch die Belastung an die Menschen.

Jörg Marschall (23:00): Umfrage von uns hat bei Erwerbstätigen herausgefunden: Knapp 7% nehmen oder nahmen Mittel und mit der Dunkelzifferberechnung sind es 12 %. Regelmäßig machen das nur knapp 2% bzw. 3% (Dunkelziffer)., aber das hat uns noch nicht in Alarmbereitschaft versetzt. Bei Studierenden schwankt der Wert oft, je nach Umfrage. Im Durchschnitt sind es dann aber so ca. 5%.

Prof. Dr. Ortwin Renn (8:10): Viele Menschen sind derzeit sowohl überfordert aber auch oft unterfordert. Was wir messen können ist die wachsende Überforderungen durch Multitasking-Aufgaben. Das Bestreben der Menschen sich mental zu verbessern war schon immer da.

Prof. Dr. Ortwin Renn (22:15): In der Forschung sind Umfragen schwierig, weil nur wenige den Konsum von Drogen zugeben. Wir haben aber auch da zwei Gruppen: Einmal Angeber, die täglich irgendetwas einwerfen und dann die Schüchternen, die es kaum zugeben möchten.

Sonja Krause (27:10): Ich war überrascht über den Konsum im Alter von 40 – 50 Jahren. Das konnte ich mir kaum erklären. Vor allem bei den Frauen.

Werden durch Hirndoping nur natürliche Unterschiede in Talent und Leistungsfähigkeit ausgeglichen oder entsteht ein soziales Ungleichgewicht?

Prof. Dr. Ortwin Renn (37:00) : Ich glaube nicht, dass man selbst mithilfe eines Arztes solch leistungssteigernde Mittel verschreiben sollte. Ich wäre dafür, dass man den Betroffenen mit ärztlicher Hilfe und Aufsicht beisteht.

Kann Doping in der Gesellschaft toleriert werden, während es im Sport verboten ist?

René Neumann (39:00:): Ich denke, derartige Substanzen salonfähig zu machen eher schwierig ist, weil wir uns dann natürlich auch fragen müssten warum nicht auch Cannabis und andere legalisiert werden.

 

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